Grußwort Vorsitzender der DGPM

Johannes Kruse

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie auf dem Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und somit auf der 28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie begrüßen zu dürfen. Prof. Volker Köllner und sein Team haben unter den besonderen Bedingungen der Corona-Pandemie ein hervorragendes Programm zusammengestellt. Sie greifen mit dem Tagungsthema „Mind the Gap – Forschung und Praxis im Dialog“ ein sehr aktuelles Thema auf in einem reinen Online-Format, das ganz neue Formen der Kongressteilnahme ermöglicht. Ich hoffe Sie bringen etwas Neugier mit für diesen virtuellen Raum sowie die Bereitschaft, sich auf einen ganz anderen Kongressmodus einzustellen.

Im Zentrum des Kongresses steht die Zukunft der Psychosomatischen Medizin und der Psychotherapie, die im Spannungsfeld zwischen Forschung und Praxis zu gestalten ist. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie, des Klimawandels sowie der gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingung werden dabei auch beleuchtet. Weitreichende fachpolitische und sozialpolitische Entscheidungen wurden im vergangenen Jahr getroffen.

Die DGPM hat sich auch im vergangenen Jahr sehr erfolgreich im ständigen Dialog mit den Organen der Selbstverwaltung und der Politik intensiv für die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Versorgung sowie für die Erhaltung der Qualität unserer ärztlichen, psychosomatischen und psychotherapeutischen Arbeit eingesetzt. Die veränderte Bedarfsplanungs-Richtlinie, die Realisierung Psychosomatischer Institutsambulanzen, die Neuausrichtung des Vergütungssystems für psychosomatische stationäre Leistungen, die Umsetzung der neuen Musterweiterbildungsordnung für Ärzte sowie die Veränderungen der Psychotherapie-Richtlinie geben der ambulanten und stationären psychosomatischen und psychotherapeutischen Versorgung einen verbesserten Rahmen – auch wenn nicht alle Wünsche in Erfüllung gingen. Gleichzeitig stehen u.a. mit der strukturierten ambulanten Versorgung sowie der Weiterentwicklung des Krankenhausfinanzierungssystems weitere grundlegende Veränderungen vor der Tür.

Die neuen Perspektiven gilt es auch inhaltlich im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Forschern und Klinikern, auszuloten und zu gestalten. Der Kongress mit seinem Rahmenthema kommt somit zur rechten Zeit, denn er bietet eine hervorragende Plattform, in diesen Dialog einzusteigen. Die gesundheitspolitischen Anforderungen und die Versorgungsbedürfnisse unserer Gesellschaft drängen auf Antworten in der Aus- und Weiterbildung sowie in der ambulanten, stationären und sektorenübergreifenden Versorgung. Neue Konzepte sind aktiv und innovativ auszugestalten.

Ich lade Sie herzlich ein, in den zahlreichen Veranstaltungen des Kongresses, diese Diskussion online zu führen. Ich freue mich auf diesen Dialog

und grüße Sie herzlich.

Prof. Dr. Johannes Kruse

Grußwort Vorsitzender des DKPM

Christoph Herrmann-Lingen
Christoph Herrmann-Lingen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„‚Forschung und Praxis im Dialog‘ lautet das Motto des diesjährigen Deutschen Psychosomatik­kongresses. Mit dem vorangestellten ‚mind the gap‘ weisen der Kongresspräsident Prof. Volker Köllner und sein Berliner Kongressteam auf Brüche hin, die sich noch immer zwischen psychosoma­tischer Forschung und klinischer Praxis auftun. Psychosomatische Forschungsergebnisse werden nach wie vor in vielen Bereichen der somatischen Medizin ungenügend wahrgenommen. Zwar haben sie mittlerweile Eingang in viele hochwertige interdisziplinäre Leitlinien gefunden und aus der Psycho­somatischen Medizin initiierte Leitlinien, etwa zu funktionellen Körperbeschwerden, werden von zahlreichen somatischen Fachgesellschaften inhaltlich mitgetragen. Das ist ein erfreulicher Fort­schritt, der nur durch ein überproportionales ehrenamtliches Engagement psychosomatischer Forscher*innen und Kliniker*innen ermöglicht wurden. Hier besteht also aller Grund, stolz und dankbar für das Erreichte zu sein.

Dennoch bestehen aber weiterhin große Lücken zwischen psychosomatischer Forschung und medi­zinischer Praxis. Psychosomatische Leitlinieninhalte werden noch viel zu oft in der somatisch-medi­zinischen Versorgung ignoriert – unter anderem auch aufgrund zunehmender Ökonomisierung der Medizin mit unzureichender Honorierung gesprächsintensiver Leistungen.“

Mit diesen Sätzen hatte ich im Januar 2020 mein Grußwort für unsere bereits vor über einem Jahr vorgesehene Tagung begonnen und was damals galt, gilt auch heute noch. Und doch hat sich die Welt – und unser Gesundheitssystem – seither in einer Weise verändert, die mir im Januar 2020 nicht vorstellbar erschien. Im Juni 2021 dürfen wir froh sein, überhaupt wieder zu einer Tagung zusammenzukommen, wenn auch leider nur online. Dabei haben wir erfahren, welche Limitationen und Probleme die ständigen Online-Begegnungen in sich tragen.

Aber es haben sich auch unerwartete Chance ergeben. Psychotherapien per Videosprechstunde, organisatorische Treffen von Forschungskonsortien oder Fachgesellschafts-Arbeitsgruppen im Video­format (aber auch mit entfernt lebenden Freund*innen und Verwandten) haben unser Kommu­ni­kations-Repertoire erweitert und werden als sinnvolle Ergänzungen persönlicher Tref­fen auch in Zukunft eine größere Rolle spielen als vor der Pandemie. Psychosomatische Abteilungen haben in der Pandemie eine wichtige Rolle in der Unterstützung der Klinik-Mitarbeitenden geleistet und sich vor Ort wie auch im Netzwerk Universitätsmedizin in ambitionierte Forschungs­aktivitäten zur Pande­mie­bewältigung eingebracht. Und sie werden das kommende Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit um wichtige psychosomatische Fragestellungen bereichern. Damit steigt die Sichtbarkeit psychosomatischer Behandlungs­angebote und Forschung und es entstehen neue Verbindungen.

Mit dem Voranschreiten der Impfkampagnen und dem allmählichen Rückgang der Belegungszahlen auf den Covid-Intensivstationen stehen wir in der Psychosomatischen Medizin vor der Heraus­forde­rung, die psychischen und psychosomatischen Folgen der Pandemie sowie der Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung besser zu verstehen. Es müssen passgenaue Behandlungsangebote für Über­leben­de wochenlanger Intensivbehandlungen oder Menschen mit post-Covid-Syndromen entwickelt werden. Auch Personen, die durch fremd- oder selbstverordnete Isolation, Verlust von oder Überforderung durch ihre Berufstätigkeit und verpasste Lebenschancen psychisch oder psychosomatisch erkranken, benötigen unsere Hilfe. Dafür braucht es einen engen Dialog zwischen Forschung und Praxis.

Noch bleiben viele – alte und neue – Lücken, deren Schließung wir mit unserer diesjährigen Tagung anregen wollen. In diesem Sinne freue ich mich nach der Zwangspause besonders auf den Dialog von forschenden und praktisch tätigen Kolleg*innen auf dem Deutschen Psychosomatikkongress 2021.

Prof. Dr. med. Herrmann-Lingen
Präsident des DKPM