Im Rahmen des Kongresses werden Fortbildungen angeboten. Die Teilnahme ist kostenpflichtig; die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Gebühren für die Fortbildungen müssen mit der Online-Kongressgebühr im Voraus entrichtet werden. Fortbildungen können auch nachträglich gebucht werden. Stornierungen der Fortbildungen bedürfen der Schriftform. Die Mitteilung der Stornierung sollte ebenfalls die Bankverbindung für eine eventuelle Rückerstattung der Gebühren enthalten.

Hinweis: Die Fortbildungen können nur zusammen mit einer Kongressteilnahme besucht werden und kosten 80,-€ pro Fortbildung.

Update: Durch die großzügige Zuwendung der Carus-Stifung, können die Carus Masterclasses nun kostenfrei angeboten werden. Bitte melden Sie sich trotzdem zur Fortbildung an.

Die Fortbildungen finden ab einer Mindestteilnehmerzahl von 5 Personen statt.

Übersicht des Fortbildungsprogramms:

Mittwoch, 22.06.2022

09:30 - 12:30 Uhr

Bei einer Subgruppe adipöser Patienten (ca. 20-30%) besteht zusätzlich eine Essstörung, die sogenannte Binge-Eating Störung (BES), bei der es zu wiederkehrenden Essanfällen mit begleitendem Kontrollverlust kommt. Diese Patientengruppe leidet im Vergleich zu Menschen mit alleiniger Adipositas unter einem noch geringeren Selbstwertgefühl, einer erhöhten Psychopathologie und einer größeren Unzufriedenheit mit dem Körper. Aus diesem Grunde sind bei einer Kombination von Adipositas mit einer BES spezifische Therapiemaßnahmen, die über eine Änderung des Ess- und Bewegungsverhaltens zur Gewichtsreduktion hinausgehen, indiziert. Die Fortbildung stellt anhand von Fallbeispielen sowohl die leitliniengerechte Behandlung der Adipositas als auch störungsspezifische Interventionen wie Techniken zur Emotionsregulation zur Reduktion der Essanfälle vor. Darüber hinaus wird auf eine Verbesserung der Körperakzeptanz eingegangen.

Dr. Sandra Becker, Tübingen

Für viele Patienten stellt eine Krebsdiagnose einen tiefen Einschnitt in das Leben dar, der auch mit existenzielle Belastungen einhergeht. In der Psychotherapie mit Krebspatienten wie auch von Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen nimmt daher das Thema Lebenssinn neben der Reduktion psychischer Belastungen und der Verbesserung der Lebensqualität einen wichtigen Stellenwert ein. Dies gilt für Patienten in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium wie auch für Patienten, die lange Zeit mit der Erkrankung leben oder diese überlebt haben („Cancer Survivors“).
Inspiriert durch die Arbeiten von Viktor Frankl und lrvin Yalom entwickelte die Forschungsgruppe um William Breitbart am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center die Sinnzentrierte Kurzzeit-Psychotherapie für Krebspatienten. Die Wirksamkeit der sinnzentrierten Intervention mit acht Sitzungen wurde sowohl im Gruppentherapieformat (SGPT) als auch im Einzeltherapieformat (SEPT) in mehreren randomisiert-kontrollierten Studien nachgewiesen. Die Studienergebnisse zeigen u.a. eine Verbesserung des spirituellen Wohlbefindens, des Gefühls der Sinnhaftigkeit sowie eine signifikante Reduktion von Angst und Hoffnungslosigkeit.
Die SPT soll Patienten dabei unterstützen, ein Gefühl von Lebenssinn im Angesicht einer schweren Erkrankung zu entwickeln, wiederzufinden, aufrecht zu erhalten oder sogar zu verstärken; sinnstiftende Ressourcen zu entdecken, die auch längerfristig im Krankheitsverlauf als Ressourcen genutzt werden können und Probleme und Gefühle im Zusammenhang mit der Erkrankung im Rahmen der therapeutischen Beziehung zu reflektieren. Die SPT-Sitzungen umfassen folgende Inhalte: (i) Grundlegende Konzepte zu Lebenssinn und sinnstiftenden Ressourcen, (ii) Krebs und Sinn: Identität vor und nach der Krebsdiagnose; (iii) Lebensgeschichte und Vermächtnis als sinnstiftende Ressourcen; (iv) innere Haltung, Kreativität sowie Sinneserfahrungen und Erlebnisse als sinnstiftende Ressourcen sowie (v) Überlegungen und Hoffnung für die Zukunft.
In der Fortbildung werden der Ablauf, die Ziele und die Inhalte der SPT anhand von verschiedenen Arbeitsmaterialien vorgestellt und mit den Teilnehmenden hinsichtlich anwendungsbezogener Erfahrungen diskutiert.

Literatur: Breitbart W (2021) Sinnzentrierte Psychotherapie für Patienten mit einer Krebserkrankung: Bedeutung und Hoffnung im Angesicht des Leidens finden. Stuttgart: Kohlhammer.

Prof. Dr. Anja Mehnert-Theuerkauf, Leipzig
Dr. Antje Lehmann-Laue, Leipzig

Gutachten = „GUT ACHTEN“! Die Begutachtung stellt einen wichtigen Baustein in der Medizin dar. Gutachten sind notwendig, wenn es z.B. um den Erhalt von Leistungen aus Versicherungen geht. Am häufigsten und bekanntesten sind Gutachten im Rahmen von Anträgen zur Erwerbsminderung an die Rentenversicherung. Hier handelt es sich um sogenannte finale Gutachten, die die Leistungsfähigkeit Versicherter einschätzen. Einen anderen Bereich stellen kausale Gutachten dar, die erstellt werden, wenn es nach besonderen Ereignissen, wie z.B. Unfällen, zu Erkrankungen kommt. Gutachten werden zunächst für Versicherungen erstellt; bei Rechtsstreitigkeiten werden sie für Gerichte erstellt. Daraus erwächst eine Besonderheit in der Arbeit derer, die Gutachten erstellen: die Neutralität. Es gibt eine Reihe weiterer Besonderheiten, die bei der Erstellung von Gutachten zu berücksichtigen sind. Dies trifft für alle Fachgebiete in der Medizin zu. In einem besonderen Maße jedoch für die Begutachtung von Störungen in unserem Fachgebiet, d.h. bei psychischen und psychosomatischen Störungen. Die besondere Herausforderung ist, dass es meist keine objektivierbaren Befunde wie Labor oder Bildgebung gibt. Eine sorgfältige Diagnosestellung nach den Kriterien der ICD 10 oder DSM 5 ist daher notwendig. Besonders in der Begutachtung ist auf eine klare Trennung von Beschwerden und Befunden zu achten. Bei der Begutachtung zur Leistungsfähigkeit geht es nach Diagnosestellung dann aber weniger um die diese, als vielmehr um die Funktionsfähigkeit und um die Einschränkungen in Aktivität und Teilhabe durch die beklagten Beschwerden. Hier zeigt sich die ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) als eine wichtige Klassifikation und Orientierungshilfe.Eine Begutachtung setzt sich aus verschiedenen Bausteinen zusammen, so z.B. der Anamneseerhebung, der körperlichen Untersuchung und einer Testung. In Zusammenhang mit den Unterlagen, die zur Verfügung gestellt werden, erfolgt ein steter Abgleich des Geschriebenen, Gesagten, Gehörten und Erlebten. Im Sinne einer sogen. Konsistenzprüfung.Die Fortbildung gibt eine Einführung in den Ablauf einer Begutachtung und richtet sich sowohl an Interessenten, die sich mit diesem spannenden Bereich der Medizin auseinandersetzen wollen, als auch an Assistenten, die sich im Rahmen ihrer Weiterbildung mit der Begutachtung vertraut machen möchten.

Dr. Beate Gruner, Weimar

Mentalisieren wurde von Peter Fonagy, Anthony Bateman und anderen als Konzept zum Verständnis und für die Behandlung von Patienten mit Borderline- Persönlichkeitsstörungen entwickelt. Zunehmend zeigt sich, dass es auch bei anderen Störungen, wie z.B. Depressionen, Angst-, Ess- und Somatisierungsstörungen, vorteilhaft ist, in der therapeutischen Arbeit mentalisierungsfördernd zu arbeiten.
Insbesondere wenn depressive PatientInnen sowohl aufgrund der Schwere der Depression als auch aufgrund struktureller Defizite in ihrer Mentalisierungsfähigkeit eingeschränkt sind, ist eine mentalisierungsfördernde therapeutische Arbeit sehr fruchtbar und hilft, gemeinsam aus „therapeutischen Sackgassen“ herauszukommen.
In dieser sehr klinisch ausgerichteten Fortbildung wird nach einer kurzen Einführung zum Mentalisierungsmodell und der spezifische Interventionstechnik auf die klinische Anwendung insbesondere bei PatientInnen mit depressiven und somatoformen Störungen fokussiert. Anhand von Videos und Fallvignetten wird die Brücke zwischen Theorie und klinischer Arbeit geschlagen.

Dr. Lenka Staun, Berlin

Problem-solving therapy is a practical short-term therapy that can be used either on its own or as an add-on to another therapy. It focuses on giving the patient control and confidence, empowering them to solve or cope better with the problems they are facing. It can be helpful in a number of situations; for example, where a problem needs to be dealt with in a short space of time, when a practical problem needs to be solved before the patient can focus on deeper issues, or as an accessible starting point for patients who are new to therapy. The model is a simple one, but delivering problem-solving therapy in practice is both challenging and rewarding.

This interactive masterclass will include:
– Description of relevant research in psychosomatic medicine.
– Explanation of the problem-solving therapy process.
– Interactive practice of problem-solving therapy.

MB, Chb, Msc, PhD Jane Walker, Großbritannien

In den letzten Jahren sind internet-basierte Interventionen im Praxisalltag angekommen. Diese Masterclass legt den Schwerpunkt auf internet-basierte Schreibtherapien sowie Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) und hat das Ziel, einen komprimierten und kurzen Überblick zu Grundlagen und Praxis internet-basierter Interventionen zu geben und praktische Beispiele vorzustellen. Diese Masterclass richtet sich sowohl an Therapeut:innen, die digitale Interventionen anbieten möchten als auch an alle interessierten Personen.

Dr. Maria Böttche, Berlin

Psychosocial safety climate (PSC) refers to corporate climate for worker psychological health. There is an abundance of evidence that PSC is a leading indicator of stressful work conditions, job design, and worker mental health and productivity (sickness absence, presenteeism, workers compensation).  PSC should therefore be a target for improvement. This workshop will equip participants with new understanding, approaches and skills to intervene to improve PSC for the benefit of workers, employers, the community and economy. The knowledge of PSC is vital for any intervention regarding work-related burn out and depression.
It greatly helps to address patients’ needs and optimize therapeutic interventions.

Prof. Maureen Dollard, Australien

 

Psychodynamische Gruppenpsychotherapien (PDGT) gehören zu den wirksamsten psychotherapeutischen Angeboten, werden aber in Kliniken und Tageskliniken, in denen sie am häufigsten eingesetzt werden, zu wenig gelehrt und nur mangelhaft supervidiert. Mentalisierungsbasierte Gruppenpsychotherapie (MBT-G), entwickelt an Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen hat sich inzwischen auch für Patienten mit somatoformen Störungen und mit Autismus-Spektrum Störungen als wirksam erwiesen.

Mentalisieren enthält zugleich eine selbst-reflexive und eine interpersonelle Komponente. Damit eignet sich dieses Konstrukt besonders gut für Gruppenkontexte aller Art. Durch ein empirisch fundiertes Verständnis der neueren Emotions- und Affekttheorien, die den Begründern der Gruppenanalyse, Trigant Burrow und S.H. Foulkes sowie ihren Schülern noch fehlte, hat sich MBT-G als höchst wirksames Verfahren stationärer und tagesklinischer Psychotherapien herausgestellt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in jeder gelingenden Gruppenpsychotherapie mentalisiert wird, weil in jeder Gruppensitzung über die Wiederherstellung von Bindung, Resonanz und reflektierendes Antworten die Entwicklung der Reflexionsfunktion vom Säugling bis zum Erwachsenen im Sinne eines face-to-face-Austauschs affektiver Signale wiederholt wird.

An (Video-) Beispielen und im Rollenspiel werden die verschiedenen prämentalistischen Modi (Körper-Modus, teleologischer, Äquivalenz- und Als-ob-Modus) und die vier Dimensionen des Mentalisierens hinsichtlich der therapeutischen Entwicklung von Selbst- und Objekt-Repräsentanzen sowie Affektrepräsentanzen demonstriert. Als Nebeneffekt ergibt sich, dass mit der Theorie des Mentalisierungsmodells nicht nur Prozesse des Mentalisierungsversagens in Behandlungen von Patienten und Patientinnen, sondern auch politische Großgruppenprozesse (wie z.B. Verschwörungsglauben und Radikalisierungsprozesse) besser verstanden werden können. Schwierige Gruppensituationen können von den Teilnehmern des Workshops eingebracht werden.

 

Prof. Dr. Ulrich Schultz-Venrath, Köln

12:45 - 15:45 Uhr

Die von Somatikern wie von Psychotherapeuten oftmals ungeliebten Patienten mit funktionellen und somatoformen Syndromen erleben häufig Unverständnis und Ablehnung in medizinischen und therapeutischen Kontexten. Die Versorgung solcher Patienten ist vielfach unbefriedigend und mangelhaft. Neben einer kurzen theoretischen Einführung werden erstmals in Zusammenarbeit mit einer Schauspielpatientin, Judith Gorgass, im Seminar zusammen mit den Teilnehmenden interaktiv Interventionen geübt, um die pathognomonisch reinszenierenden Beziehungsenttäuschungen und Übertragungs-Projektionen zu erkennen und ggf. reparativ zu gestalten. Es sollen eine strukturpsychopathologisch orientierte Grundhaltung erarbeitet und psychodynamische Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Das Therapielabor bietet hier hervorragende Möglichkeiten des Ausprobierens.

Dr. Joram Ronel, Barmelweid

Dr. Franz Hausmann, Baden-Baden

Chronische Schmerzen und andere (Körper-) symptome stellen als häufige Erkrankungen das auf Heilung und Akuttherapie fokussierte Gesundheitssystem im ambulanten sowie stationären Bereich vor große Herausforderungen. Auch im therapeutischen Kontext bringen uns Schmerz-Patienten in die Auseinandersetzung mit quälenden, den Alltag einschränkenden Symptomen, Leid und dem Spannungsfeld zwischen Widerstand/Anspannung und Akzeptanz/Entspannung.

Die Fortbildung soll diesbezüglich eine praxisnahe, integrative Einführung in achtsamkeitsbasierte Therapiemethoden im Kontext o.g. Symptome vermitteln (v.a. MBSR und Mindfulness based pain management MBPM / Breathworks), praktisch anwendbare, spezifische Übungen/Meditationen an die Hand geben und eine achtsame, annehmende Grundhaltung als Basis auch eigener Selbstfürsorge und Resilienz stärken.

Neben der Praxis spezieller Achtsamkeitstechniken werden psychosomatische Konzepte chronischer Schmerzen, Coping- und Bewältigungsstrategien als Bezugsrahmen thematisiert und können anhand von Fallbeispielen diskutiert werden.

Empfohlen werden bequeme Kleidung, wenn möglich eine Decke. Eigene Meditationskissen oder -bänkchen sind willkommen.

Sören Mendelin, Köln