Im Rahmen des Kongresses werden Fortbildungen angeboten. Die Teilnahme ist kostenpflichtig; die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Die Gebühren für die Fortbildungen müssen mit der Kongressgebühr im Voraus entrichtet werden. Fortbildungen können auch nachträglich gebucht werden. Stornierungen der Fortbildungen bedürfen der Schriftform. Die Mitteilung der Stornierung sollte ebenfalls die Bankverbindung für eine eventuelle Rückerstattung der Gebühren enthalten.

Hinweis: Die Fortbildungen können nur zusammen mit einer Kongressteilnahme besucht werden und kosten 80,-€ pro Fortbildung. Die Workshops finden ab einer Mindestteilnehmerzahl von 10 Personen statt.

Es sind noch freie Fortbildungsplätze verfügbar. Buchen Sie Ihre Fortbildung noch heute unter: Anmeldung

Übersicht des Fortbildungsprogramms:

Mittwoch, 18.03.2010

08:30 - 11:30 Uhr

Diese Fortbildung richtet sich an klinisch tätige Kolleginnen und Kollegen, welche zudem wissenschaftlich aktiv sind oder dies werden wollen. Im Seminar wird besonders auf die Vereinbarkeit von Klinik und Forschung eingegangen. Inhalte des Seminares sind: Studienplanung und -durchführung, sowie die Publikation der Ergebnisse. Der Kurs wird möglichst interaktiv sein, verschiedene hands-on-Aufgaben und -Übungen sind geplant.

 

A. Stengel, Berlin
T. Hofmann, Berlin

Besonders Patienten mit robustem Narzissmus, die ihre narzisstische Vulnerabilität durch Selbstüberhöhung stabilisieren, fordern den Therapeuten häufig durch hohe Empathie für dessen verletzliche Seiten heraus. Dies kann einmal durch Idealisierung im Sinne der Zwillings- oder Alter-Ego Übertragung nach Kohut erfolgen.
Insbesondere jedoch durch Kritik, Entwertung oder Verachtung wird der Therapeut und der therapeutische Prozess belastet und getestet. Wie diese projektiven Identifizierungen vom Therapeuten gemeistert werden können, soll im Seminar an Fallbeispielen dargestellt werden. Auch empfindliche, sogenannte hypervigilante Narzissten, die schamsensitiv sind fallen durch eine hohe Therapieabbruchrate auf,sowohl in verhaltenstherapeutischen wie psychodynamischen Therapien.
Dies, obwohl der Therapeutische Prozess in der Regel gut begonnen hat. Auch hier gilt es, die hohe implizite Kränkbarkeit in der Beziehung zu erspüren. Das Seminar ist für psychodynamische wie verhaltenstherapeutische Kollegen konzipiert.

P. Joraschky, Dresden

Das Spannungsfeld zwischen physischer und mentaler Selbstfürsorge, Lebensqualität und hochprofessionellem Handeln stellt für Ärzt*innen eine große Herausforderung dar, für die sie oft (noch) nicht hinreichend gerüstet zu sein scheinen. Dabei prägen Komplexität, Beschleunigung und Aufgabenverdichtung zunehmend auch ihren persönlichen Alltag. Schon Studierende zeigen im Verlauf des Studiums einen Rückgang ihrer Empathie(-bereitschaft), was u. a. mit der hohen Studienbelastung aber auch fehlenden ärztlichen Vorbildern begründet wird. Dabei besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Resilenz und psychischer Gesundheit, wobei Resilienz als prozesshaft-dynamisch wie auch veränderbar zu verstehen ist und durch gezielte Interventionen bekannte Resilienz-faktoren gefördert werden können. Die Teilnehmer des Workshops werden mit den aktuellen Ergebnissen der Achtsamkeits- und Resilenzforschung wie dem ReSource-Projekt des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig und der Katamnesestudie zur Resilienz der Ruhruniversität Bochum, mit den Erfahrungen bei der Behandlung psychosomatisch Erkrankter im Stillachhaus Oberstdorf und der Implemen-tierung dieser Techniken und Haltungen in das Medizinstudium an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg aber auch in den ärztlichen Alltag bekannt gemacht. Sie lernen Techniken und Übungen kennen, die sie in der Versorgung ihrer psychosomatisch kranken Patient*innen, in ihrer Selbstfürsorge und Resilienz wie auch bei der Reflexion des eigenen professionellen Handelns wirksam unterstützen können.

Empfohlen werden bequeme Kleidung, ein Getränk, ein eigenes kleines Kopfkissen und eine Decke. Eigene Meditationskissen oder -bänkchen sind willkommen.

 

F. van Hall, Oberstdorf
P. Vogelsänger, Berlin

Die Bauchhypnose oder gut-directed.hypnosis ist durch die internationale Studienlage als sehr wirksame Intervention bei PatientInnen mit Colon irritabile bzw. Reizdarm und inzwischen auch bei PatientInnen mit CED belegt. In Deutschland fristet diese auf 8 bis 12 Sitzungen angelegte  Methode ein kümmerliches Dasein. Stattdessen hat die medikamentöse Behandlung und Konditionierung des Darmes einen hohen Marktanteil und in der regressiven Erwartung von PatientInnen eine kaum zu übertreffende Akzeptanz.
Die Fortbildung bietet einen praktischen Einblick in die sehr einfache Vorgehensweise der Bauchhypnose in Form der klassischen ärztlichen Hypnose. Dabei wird wie im englischen Original das konkrete therapeutische Vorgehen besonders die sog. additionals berücksichtigen. Individuelle Lebensstiländerung und Integration der Selbsthypnose in den Alltag macht ganz wesentlich die Nachhaltigkeit der Wirksamkeit aus. Daher ist die Bauchhypnose auch in den Kontext anderer Möglichkeiten stellen, wie wir Bezug zu unserer Verdauung herstellen können (z.B. Ernährung, Colonmassage, Atmung, Palmieren, Verdauungshygiene).
Die Fortbildung ist sowohl für Hypnoseneulinge wie auch erfahrene HypnotherapeutInnen geeignet.

C. Derra, Berlin

Mentalisieren wurde von Peter Fonagy, Anthony Bateman und anderen als Konzept zum Verständnis und für die Behandlung von Patienten mit Borderline- Persönlichkeitsstörungen entwickelt. Zunehmend zeigt sich, dass es auch bei anderen Störungen, wie z.B. Depressionen, Angst-, Ess- und Somatisierungsstörungen, vorteilhaft ist, in der therapeutischen Arbeit mentalisierungsfördernd zu arbeiten.

Insbesondere wenn depressive PatientInnen sowohl aufgrund der Schwere der Depression als auch aufgrund struktureller Defizite in ihrer Mentalisierungsfähigkeit eingeschränkt sind, ist eine mentalisierungsfördernde therapeutische Arbeit sehr fruchtbar und hilft, gemeinsam  aus „therapeutischen Sackgassen“ herauszukommen.

In dieser sehr klinisch ausgerichteten Fortbildung wird nach einer kurzen Einführung zum Mentalisierungsmodell und der spezifische Interventionstechnik auf die klinische Anwendung insbesondere bei PatientInnen mit depressiven und somatoformen Störungen fokussiert. Anhand von Videos und Fallvignetten wird die Brücke zwischen Theorie und klinischer Arbeit geschlagen.

 

L. Staun, Berlin

12:00 - 13:30 Uhr

HIV/STI-fokussierende Sexualanamnese zur Prävention und Beratung in der ärztlichen Praxis

Um Risiken für sexuell übertragbare Infektionen richtig einschätzen zu können bedarf es vor allem einer offenen Kommunikation. Ferner kann das Wissen um die sexuelle Orientierung und der gelebten Sexualität von Patient_innen helfen, Gesundheitsrisiken besser einzuschätzen und die richtige Diagnostik anzubieten. Doch Reden über Sexualität fällt oft beiden Seiten nicht leicht und kann vielerlei Fragen aufwerfen (Verhoeven 2013). Und auch wenn sich ein Großteil der Patient_innen wünscht, dass ihre Ärzt_innen sie auf ihre Sexualität ansprechen (Meystre-Agustoni 2011), ist eine strukturierte Sexualanamnese weder in der ärztlichen noch in der psychotherapeutischen Versorgung Standard.

S. Eggers, Berlin

12:00 - 15:00 Uhr

– Ein Therapielabor zum Thema funktionelle und somatoforme Syndrome

Die von Somatikern wie von Psychotherapeuten oftmals ungeliebten Patienten mit funktionellen und somatoformen Syndromen erleben häufig Unverständnis und Ablehnung in medizinischen und therapeutischen Kontexten. Die Versorgung solcher Patienten ist vielfach unbefriedigend und mangelhaft. Neben einer kurzen theoretischen Einführung werden erstmals in Zusammenarbeit mit einer Schauspielpatientin, Judith Gorgass, im Seminar zusammen mit den Teilnehmenden interaktiv Interventionen geübt, um die pathognomonisch reinszenierenden Beziehungsenttäuschungen und Übertragungs- Projektionen zu erkennen und ggf. reparativ zu gestalten. Es sollen eine strukturpsychopathologisch orientierte Grundhaltung erarbeitet und psychodynamische Behandlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Das Therapielabor bietet hier hervorragende Möglichkeiten des Ausprobierens.

J. Ronel, Barmelweid, Schweiz

Die Katathym Imaginative Psychotherapie (KIP) ist eine kreative psychodynamische Methode, die vor fast 70 Jahren von Hanscarl Leuner unter dem Namen Katathymes Bilderleben entwickelt wurde. Leuner hatte die Nutzung affektiv getragener Bilder (Symbole) für die Psychotherapie, wenn auch nicht als Erster, erkannt und zu einer differenzierten und systematischen Methode ausgearbeitet. Betrachtet man heutige neurowissenschaftliche Erkenntnisse und Psychotherapieforschungen, ist die KIP eine hochaktuelle Methode. Ihr zentrales Element ist die Imagination, welche über unmittelbares, sinnlich-körperliches Erleben einen raschen und tiefgreifenden Zugang zu Konflikten und Ressourcen schafft. Im symbolhaften Geschehen des Tagtraums verdeutlichen sich typische Beziehungs- und Erlebensmuster, Wünsche und Ängste. Auch strukturelle Fähigkeiten oder Einschränkungen werden sichtbar und können genutzt bzw. verbessert werden.
Der Tagtraum selbst entfaltet sich im Dialog mit dem Therapeuten. Dieser regt ein Entwicklungsthema an, indem er, nach einer kurzen Entspannungsinduktion, ein Motiv als Einstieg benennt. Es entwickelt sich eine jeweils individuelle und einzigartige Geschichte, die Teil des systematisch aufgebauten Prozesses ist. Weitere Komponenten einer Therapie mit katathymen Bildern sind z.B. das Gespräch und die Arbeit mit –zur Imagination- gemalten Bildern.
Die Systematik und die spezifischen Interventionstechniken der KIP bilden Struktur und Handlungsrepertoire für zielgerichtetes therapeutisches Vorgehen. Hierdurch eignet sich die KIP – neben ihrer Bedeutung für Langzeittherapien – in besonderer Weise als Methode der Kurzzeittherapie, sowohl im stationären wie auch im ambulanten Setting.
Im Workshop wird ein Überblick zur KIP gegeben und es werden erste eigene Erfahrungen mit dem Tagtraumerleben selbst, wie auch mit grundlegenden Techniken, vermittelt.
Die Teilnehmer sollten Bereitschaft zur Selbsterfahrung und Lust am Ausprobieren mitbringen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

U. Linke-Stillger, Blieskastel

An fast allen medizinischen Fakultäten in Deutschland sind mittlerweile Kommunikations-Curricula fest etabliert. Kommunikative Kompetenz definiert einen der zentralen Rollenaspekte des Arztberufs. Eine große Herausforderung in der Lehre stellt dabei die Integration unterschiedlichen Fächer in die Curricula dar. Zudem erfordert der hohe Stundenumfang in der Lehre (bedingt durch die Anzahl der zu vermittelnden Lernziele) und die Durchführung der OSCE-Prüfungen qualifizierte Dozierenden in ausreichender Zahl, die sich zudem bezüglich der konkreten Inhalte untereinander abstimmen müssen. An den meisten Fakultäten wird kommunikative Kompetenz schwerpunktmäßig durch ein Fach gelehrt, welches der sog. sprechende Medizin sich zurechnet: oft ist dies die Psychosomatische Medizin, Allgemeinmedizin oder medizinische Psychologie. Allerdings sind die Anforderungen an die Organisation und Durchführung der Kommunikations-Curricula durch ein einzelnes Fach mittlerweile kaum mehr zu leisten. Psychosomatik und Allgemeinmedizin sind beides Fächer der sprechenden Medizin und bereits über die Psychosomatische Grundversorgung in der Fortbildung miteinander verbunden. Insofern erscheint eine Kooperation beider Fächer auch in der Lehre der Kommunikation ideal. In der Master-Class sollen Möglichkeiten und Chancen, aber auch Probleme einer solchen Kooperation diskutiert werden, mit dem Ziel Rahmenbedingungen für eine solche Kooperation zu erarbeiten und anhand konkreter Modelle (CoMeD-Kommunikations-Curriculum, Düsseldorf) reflektiert werden.
Die Master-Class richtet sich an Mitarbeiter der psychosomatischen und allgemeinmedizinischen Abteilungen, die bereits in der Lehre von Kommunikation engagiert sind und sich für Möglichkeiten der besseren Integration und strukturellen Weiterentwicklung der Kommunikations-Curricula interessieren.

O. Reddemann, Köln
A. Karger, Düsseldorf

Im Workshop werden wichtige Schlüsselbehandlungsinterventionen der PTBS vorgestellt und an Beispielen und Videos verdeutlicht. Insbesondere wird besprochen, wann, warum und in welchen Formen imaginatives Nacherlebens (Traumakonfrontation) durchgeführt werden sollte. Des Weiteren wird der Umgang mit häufig auftretenden, schwierigen Emotionen wie z.B. Schuld & Scham sowie der mit dysfunktionalen kognitiven Strategien (z.B. Grübeln) geübt.

T. Michael, Saarbrücken

Vor dem Hintergrund neuer neurobiologischer, psychoendokrinologischer und epigenetischer Erkenntnisse erfolgt eine genauere Darstellung des (fachlich oft missverstandenen) „bio-psycho-sozialen“ Schmerzverständnisses und seine Bedeutung für das Verständnis stressinduzierter Schmerzzustände als Grundlage einer individualisierten („personenbezogenen“) Schmerztherapie. Daraus werden die Konsequenzen für die diagnostische Abgrenzung stressbedingter Schmerzzuständen abgeleitet. Vor diesem Hintergrund werden die Prinzipien eines hochwirksamen bio-psycho-sozialen Therapiekonzept dargestellt und anhand von Videos illustriert. Schließlich werden Ansätze für künftige Forschungsfragen skizziert.

U.T. Egle, Zürich, Schweiz

13:45 - 15:15 Uhr

Haben Sie bei ADHS auch den „Zappelphillip“ also einen Schuljungen im Kopf? Auch unter Therapeuten herrscht teilweise noch die Ansicht vor, es handele sich um eine reine Kinderkrankheit. ADHS im Erwachsenenalter ist ein Krankheitsbild, das bisher bei uns kaum bekannt ist und im Allgemeinen unterschätzt wird, obwohl es eine ganz erhebliche Bedeutung hat. Schätzungsweise sind etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland betroffen, ohne die geringste Ahnung davon zu haben. Die bisherige Lehrmeinung, dass sich diese Störung im Erwachsenenalter auswächst, wird seit einigen Jahren widerlegt.
Deutlich wird, dass 30 – 50% der von einer ADHS betroffenen Kinder auch später im Erwachsenenalter deutliche Symptome zeigen, die sie in ihrer Teilhabe sowohl im Privat- wie auch im Erwerbsleben erheblich beeinträchtigen. Allerdings erfolgt meist ein Symptomshift, d.h., dass sich die ursprünglichen Symptome der ADHS im Kindesalter verändern. Im Workshop wollen wir uns den Symptomwandel vom Kind zum Erwachsenen anschauen, die Ursachen beleuchten und die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten im Rahmen der Psychosomatischen Reha aufzeigen.

F.M. Rudolph, Boppard-Bad Salzig