Sehr geehrter Herr Professor Löwe,

sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen aktuell gemeinsam vor zwei zentralen Herausforderungen: der Reform der stationären Versorgung psychisch kranker Menschen in Psychiatrie und Psychosomatik und der Reform der Psychotherapeutenausbildung.

Was die Veränderungen in der stationären Versorgung angeht, verfolgen unsere beiden Fachdisziplinen ein gemeinsames Ziel: den Erhalt und den Ausbau einer ausreichend intensiven und qualitativ hochwertigen stationären Psychotherapie. Die neuen Personalanforderungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss erarbeitet, müssen hierfür die personellen Voraussetzungen schaffen. Eine aussagekräftigere Dokumentation der Leistungen muss zukünftig sichtbar machen, ob und wie viel Psychotherapie ein Patient in einer Klinik erhält. Nur so kann sichergestellt werden, dass für gute stationäre Psychotherapie auch die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

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Insbesondere in den Kliniken, aber auch an den Hochschulen und in der ambulanten Versorgung hat die gute Zusammenarbeit von Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Psychotherapeuten eine lange Tradition. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein Anliegen unserer Berufsgruppen, auch weil es im Interesse unserer Patienten liegt – direkt in der Versorgung und indirekt über die Entwicklung neuer Therapie- und Diagnoseverfahren. Beide Disziplinen bringen hierfür unverzichtbares Fachwissen ein, das sich gegenseitig ergänzt. Hieran soll und wird auch die Reform der Psychotherapeutenausbildung nichts ändern.

Mit der Reform der Psychotherapeutenausbildung wollen wir die Schwächen der heutigen postgradualen Ausbildung von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten beheben. Wir wollen unseren Nachwuchs schon im Studium so qualifizieren, dass er in der anschließenden Weiterbildung wie die ärztlichen Kollegen mit klarem Rechtsstatus und fairer Bezahlung für die psychotherapeutische Versorgung qualifiziert wird. Damit wir dabei die Einheit der Psychotherapie erhalten, wünschen wir uns auch in Zukunft einen gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirat mit der Ärzteschaft. Nur wenn wir Psychotherapie wissenschaftlich fundiert gemeinsam weiterentwickeln, können wir auch in Zukunft unserer gemeinsamen Verantwortung für die Versorgung psychisch kranker Menschen gerecht werden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen anregende und erfolgreiche Kongresstage.

Munz

Dr. Dietrich Munz
Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)